Von den ersten Gitarren-Experimenten als Teenager bis zur finalen EP Assemble — die Geschichte eines Projekts, das sich nie einordnen ließ. Und genau darin liegt seine historische Bedeutung.
"Gothic trifft Rap. Zwei Welten, die sich nie begegnen sollten — und doch war genau diese Kollision der Moment, in dem eine neue Form des deutschen Underground-Hip-Hop entstand."
Warum
wichtig war
Als
2008 mit "Between Aggression and Love" sein erstes Material veröffentlichte, existierte das Genre Gothic Rap im deutschsprachigen Raum schlicht nicht. Gothic-Musik lebte von Atmosphäre, Melancholie und Synthethics — Rap von Direktheit, Rhythmus und Sprachgewalt. Wer dachte, diese Welten zu verbinden, wurde belächelt. Von beiden Seiten.
tat es trotzdem. Und er tat es nicht als Experiment oder Marketing-Manöver — sondern weil es sich für ihn schlicht richtig anfühlte. Dunkle Elektro-Beats, Piano-Melodien direkt aus der Schwarzen Szene, kombiniert mit einem ehrlichen, tagebuchartigen Sprachgesang der nichts beschönigt. Das war neu. Das war konsequent. Das war authentisch.
Die Schwarze Szene reagierte gespalten — wie sie immer reagiert wenn jemand ihre Grenzen hinterfragt. Und genau das ist der Punkt:
war der erste Musiker der systematisch und konsequent Gothic und Rap zu einer eigenständigen deutschen Subgenre-Identität fusionierte. Kein anderer Künstler dieser Zeit kombinierte Aggrotech-Strukturen mit deutschsprachigem Sprachgesang, Piano-Melancholie mit Hip-Hop-Flows so konsequent — und über mehrere Alben hinweg.
"Ich bin wie Moses — statt dem Meer habe ich die Szene geteilt." — Silizium
Pionierleistung 01
Erster Deutscher Gothic Rap
Als einziger Musiker seiner Zeit kombinierte
Gothic-Electro-Strukturen mit deutschsprachigem Rap-Flow — und etablierte damit ein Genre, das vorher nicht existierte.
Pionierleistung 02
Erstes Crowdfunding der Szene
war nach eigener Aussage der erste Musiker der deutschen Schwarzen Szene, der ein Album via Crowdfunding finanzierte — drei Mal in Folge, mit wachsender Fangemeinde.
Pionierleistung 03
Der "Szenelose"
lehnte Schubladen aktiv ab — und lebte das vor. Er öffnete damit die Diskussion darüber, ob Genre-Grenzen in der Underground-Musik überhaupt sinnvoll sind.
Pionierleistung 04
Authentizität als Prinzip
Kein Song war erfunden. Kein Text Fantasie. Musik als Tagebuch — diese Radikalität der Ehrlichkeit zog Fans an, die sich tätowieren ließen, weil die Texte ihr Leben beschrieben.
Heute, Jahre nach dem Ende des Projekts, zeigt sich wie weit seiner Zeit
war. Das was heute in der deutschen Alternative-Szene als "Dark Rap" oder "Gothic Hip-Hop" diskutiert wird, hat
zwischen 2006 und 2017 als Einzelkämpfer aus Neckarsulm praktisch erfunden — ohne Netzwerk, ohne großes Label, ohne Szene-Rückhalt. Nur mit Musik, die aus dem Leben gegriffen war.
Das ist das Vermächtnis von
. Nicht die Charts, nicht die Magazin-Covers — sondern die Fans, die bis heute sagen: "Dieses Lied hat mich genau in dem Moment gefunden, in dem ich es brauchte."
Zeitleiste
Vor 2006
Die Wurzeln — Gitarre, Bühne, erste Songs
Lange vor der elektronischen Ära: Silizium schreibt mit 12 Jahren erste eigene Songs, veröffentlicht 4 Web-Releases und tritt mit Gitarre live auf — darunter Auftritte beim Betonbruch Festival in Heilbronn. Die Grundlage eines Musikers, der tief in der Schwarzen Szene verwurzelt ist, bevor Cyber überhaupt existierte.
GitarreBetonbruch FestivalErste Songs
2006 — 2007
DJ-Ära & erste elektronische Schritte
ist Resident DJ in der Live Factory in Adelsheim und führt dort seine eigene Veranstaltung "Red Black Skullfuck" (ehemals "Schwarze Nacht"). Nebenbei moderiert er das Onlineradio "Sonnenlichtdefect" (SLD). 2007 entstehen die ersten elektronischen Versuche auf der DJ DasPraeparat MySpace-Seite: "Die Blaue Welt", "Love Also Means Forgiveness" und der Webrelease "Twisted Body Dancer". Etwas Eigenes nimmt Form an.
Resident DJLive Factory AdelsheimRed Black SkullfuckSonnenlichtdefectMySpace
2008
Between Aggression and Love — Die Geburtsstunde
Offizielle Gründung des Projekts SILIZIUM. Das erste Release "Between Aggression and Love" erscheint als kostenloser Download — 13 Tracks, 54 Minuten, kein Label. Noch roh, noch tief in Aggrotech und Gothic Electro verwurzelt — aber die Idee ist da: Dunkle Elektronik trifft auf ehrlichen deutschen Sprachgesang. Das erste SILIZIUM-Konzert überhaupt findet am 25. Juli beim Red Black Skullfuck-Event in Adelsheim statt. Im November folgt das M.O.D.E. Festival — neben Szene-Größen wie Eisbrecher, FOD, FabrikC und Suono.
Do I Not Fit Into Your Puzzle — Debut-CD & Szene-Durchbruch
17. April: Elekktroshokk Festival neben Das Ich, Welle:Erdball und Frozen Plasma. 31. Mai: Betonbruch Festival Heilbronn (15. Ausgabe). 25. Juli: Die erste physische CD "Do I Not Fit Into Your Puzzle" erscheint via Darkmusix Records — 8 Originaltracks und 5 Remixes. Bereits im September erreicht das Album die German Electronic Webcharts. Reviews folgen von Zillo, Amboss, Terrorverlag und Mindestverzehr. Die Songs erscheinen auf vier Compilations: Orkus Compilation 56, Extreme Sündenfall Vol. 9, Extreme Lustlieder 3 und Dark MusiX Compilation Vol. I. Ein Interview beim Mera Luna mit Schatten TV krönt das Durchbruchjahr.
Debut-CDElekktroshokkBetonbruchEWC4 CompilationsMera Luna
2010
Band-Experiment, Label-Wechsel & Wikipedia
27. Februar: Erstes Auslandskonzert bei der Fleischgeil in Luzern, Schweiz, neben Khaos Frequenz. Im Sommer tritt SILIZIUM beim Newcomer-Wettbewerb des Super Schwarzes Mannheim an — und belegt den 2. Platz. Das Projekt probiert sich als Band aus mit Konzerten im MS Connexion Mannheim und Schwarzes Schwimmbad Heidelberg. Seit 2010 steht SILIZIUM unter Vertrag bei Label Future Fame — die Verbindung zu Ron Suono, einem langjährigen Freund, prägt die nächsten Jahre. Im November erhält SILIZIUM einen eigenen Wikipedia-Eintrag.
Fleischgeil Luzern2. Platz NewcomerFuture FameBand-ExperimentWikipedia
2011
Schwarz Raum — Headliner, Charts & Gothic Magazin
Anfang 2011: Silizium entscheidet sich zurück zum Soloprojekt — aber mit einer Live-Crew aus zwei Supportern (Synthesizer, Sampler und Gitarre). 12. Juni: Betonbruch Festival — zum dritten und letzten Mal, diesmal als Headliner. 1. Oktober: "Schwarz Raum" erscheint — 10 Tracks, komplett im eigenen SILIZIUM-Studio aufgenommen und abgemischt. Release-Party bei der legendären "Schwarzen Nacht" in der Diskothek WOM Hechingen, mit Autogrammstunde. "Mit Euch" hält sich einen ganzen Monat in den German Electronic Webcharts. Das Gothic Magazin Nr. 73 widmet einen großen Artikel und Interview — der Song "Geh Deinen Weg" erscheint auf dem Gothic File Sampler. Das Musikvideo landet auf der Zillo Dark Visions DVD.
Betonbruch Headliner10 TracksEWCGothic Magazin Nr.73WOM Hechingen
2012
Ich Bin Gothic — Erstes Crowdfunding der Schwarzen Szene
1. Juni: Start des Crowdfundings auf Startnext — nach eigener Aussage das erste Projekt der deutschen Schwarzen Szene das so finanziert wurde. Über 60 Unterstützer, über 2.000 Euro. 21. Dezember: "Ich Bin Gothic" erscheint mit 16 Tracks. Das Album ist provokant, vieldeutig, polarisierend — und wächst Siliziums Fan-Gemeinde enorm. Erstes Konzert in seiner Heimatstadt Neckarsulm beim Ganzhornfest. Außerdem erscheint die Single "Stigmata" — eine Fortführung des Songs "Mayerling", 3 Tracks.
März:
schafft es in die Playlist von BigFM Saarland — der Song "Wie viele Stunden" läuft täglich im Music Workout Programm. Ein Interview folgt in der BigFM-Zentrale. 26. April: Erste Single "Die Szene Hasst Mich (Doch das macht nichts)" — die direkteste Auseinandersetzung mit der Schwarzen Szene, die ein Künstler bis dahin gewagt hatte. Als Teil der Kampagne entsteht ein inszenierter Schein-Prozess mit eigenem Video: SILIZIUM wird angeklagt, der Szene durch Rap untreu zu sein. 6. Dezember: Re-Release des Debut-Albums als D.I.N.F.I.Y.P. mit 12 remasterten Tracks.
18. Juni 2014: "Nextlevel" — das erste Musikvideo der Andersdenker-Ära. 29. Oktober 2014: Single "Fremde". 6. Februar 2015: "Andersdenker" erscheint — 17 Tracks inklusive Features mit Seelennacht und Hofnarr, produziert bei Sandy Solo (HipHop, Heilbronn), gemastert bei Kolja "Koltron". Das "Finalfunding" — letztes Crowdfunding. Ein Kurzfilm entsteht. Booking via MFK Management, Neuenstadt. Die Heilbronner Stimme nennt ihn "Wanderer zwischen Rap und Gothic". Das Echo-Blatt beschreibt ihn als "Szenenlosen".
Mai 2015: Trennung von Future Fame. 31. Januar 2016: Gründung des eigenen Labels "Andersdenker". 1. April 2016: Die EP "Assemble" erscheint — 5 Tracks, kostenloser Download, das erste Release auf dem eigenen Label. Für "Kämpferherz" entsteht ein Musikvideo. Die Musik klingt abgeklärter, souveräner, reifer.
hat sich selbst gefunden. Und bricht trotzdem auf zu Neuem.
Das Silizium-Projekt endet. Was bleibt: 5 Alben, 1 EP, 3 Singles, ein Demo-Tape, über 7 Compilation-Beiträge, Remixes für Künstler wie Suono, Extize und Desastroes — und eine treue Fangemeinde die sich Textzeilen tätowieren ließ, weil die Musik ihr Leben beschrieb.
endet. Ein neues Kapitel beginnt unter dem Künstlernamen Marrse. 2022 entsteht das Silizium Legacy Project — dieses Archiv, rekonstruiert aus alten Websites, der Wayback Machine und persönlicher Erinnerung, bewahrt alles was
war.
Quellen: Persönliche Erinnerung, archivierte Website-Materialien und rekonstruierte Daten aus der
Wayback Machine (web.archive.org).
Einige Daten, Details und Texte basieren auf archivierten Snapshots ehemaliger Silizium-Websites.
SLZ
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